Elterngeldantrag, Kindergeldantrag, Mutterschaftsgeld, Familienversicherung, und weitere Anträge für Eltern. Die deutsche Bürokratie macht auch bei werdenden Müttern und frisch-gebackenen Familien keinen Halt. Es gibt sowohl vor, als auch nach der Geburt eine Vielzahl an Aufgaben und Anträgen, die wichtig sind. Damit ihr im Trubel rund um Geburtsvorbereitung, der Geburt und der Wochenbettzeit nichts vergesst, findet ihr hier alle wichtigen Informationen auf einen Blick.

Checkliste aller wichtigen Anträge und Aufgaben

In der folgenden Grafik findet ihr eine Übersicht über alle wichtigen Anträge und Aufgaben vor der Geburt sowie nach der Geburt. Zu den einzelnen Punkten habe ich anschließend weitere Informationen zusammengestellt.

Checkliste für Anträge vor und nach der Geburt

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Hierzu nun ein paar mehr Informationen zu den einzelnen Punkten:

Wichtige Anträge vor der Geburt

Bereits vor der Geburt stehen einige Aufgaben und Anträge an. Hierzu zählen:

Geburtsvorbereitungskurs

Melde dich über deine Hebamme rechtzeitig zu einem Geburtsvorbereitungskurs an. Die Kurse starten zu bestimmten Zeiten und passen nicht immer ideal zu deinem errechneten Geburtstermin. Außerdem gibt es meist nur begrenzte Plätze. Stelle sicher, dass du einen Platz in einem Kurs erhältst, der rechtzeitig vor deinem ET fertig ist – ein paar Teilnehmer aus meinem Geburtsvorbereitungskurs haben es beispielsweise leider nicht geschafft, den Kurs fertig zu machen, da ihr Baby etwas früher auf die Welt kam.

Anmeldung der Geburt in Klinik / Geburtshaus

Weißt du bereits, wo du entbinden möchtest? In einer Klinik, einem Geburtshaus oder sogar zuhause? Wenn du bei der Wahl der Klinik unsicher bist, empfehle ich dir die Info-Abende in den Kliniken wahrzunehmen und dir vor Ort ein Bild zu verschaffen. Mir hat es sehr geholfen, ein paar der Hebammen vor Ort kennenzulernen sowie mir den Kreißsaal anzuschauen. Hast du deine Wahl getroffen, teile sie der Klinik mit – viele möchten hier, dass man sich ab dem Geburtszeitraum zur Geburt anmeldet. Fragt daher am besten nach.

Mutterschaftsgeld beantragen

Das Mutterschaftsgeld ist das Geld, welches du während dem Mutterschutz erhältst. Dieser Zeitraum umfasst im Normalfall 6 Wochen vor ET (errechnetem Termin) und 8 Wochen nach der Geburt. Das Mutterschaftsgeld musst du bei deiner Krankenkasse beantragen. Hierzu benötigst du lediglich einen Schwangerschaftsnachweis inklusive Information zum ET von deinem Arzt. Meist teilen die Krankenkassen die Zahlung in zwei Abschnitte auf. Vor der Geburt erhältst du den Betrag für die 6 Wochen, nach der Geburt wird der finale Betrag berechnet und du bekommst die Restzahlung.

Achtung – was mir auch neu war: von der Krankenkasse erhältst du basierend auf deinem Gehalt maximal 13 Euro pro Kalendertag. Die Differenz zu deinem normalen Nettogehalt zahlt der Arbeitgeber.

Arbeitgeberzuschuss zum Mutterschaftsgeld anmelden

Der Arbeitgeberzuschuss ergänzt das Mutterschaftsgeld, damit du auf dein normales Nettogehalt vor dem Mutterschutz kommst. Der Zuschuss wird dann gewährt, wenn dein durchschnittlicher Nettolohn pro Tag mehr als 13 Euro beträgt. Dein Arbeitgeber ist verpflichtet, diesen Zuschuss zu zahlen, aber damit nichts untergeht, solltest du lieber nachfragen und den Arbeitgeberzuschuss somit anmelden. Auch benötigst du für spätere Anträge einen Nachweis deines Arbeitgebers, dass du den Zuschuss erhalten hast und in welcher Höhe.

Übrigens: anschließend kann der Arbeitgeber sich den Zuschuss wieder zu 100% von der Krankenkasse erstatten lassen. Wieso es dann nicht direkt von der Krankenkasse übernommen wird, ist mir auch ein Rätsel.

Elternzeit planen und beantragen

Das Thema Elternzeit ist ein wichtiges Thema. Hier solltest du gemeinsam mit deinem Partner / deiner Partnerin rechtzeitig überlegen, wie ihr euch Elternzeit nehmen möchtet, um für euer Kind zu sorgen. Grundsätzlich kann man in Deutschland pro Kind bis zu 3 Jahre Elternzeit nehmen – dies ist allerdings unabhängig vom Elterngeld. Die Elternzeit musst du spätestens 7 Wochen vor dem geplanten Beginn schriftlich bei deinem Arbeitgeber anmelden. Seit dem 01.05.2025 geht dies sogar ganz einfach per E-Mail.

Zusatztipp: bei manchen Versicherungen (zum Beispiel der Krankentagegeldversicherung) gibt es die Möglichkeit, während der Elternzeit die Beiträge zu reduzieren oder auszusetzen – hier lohnt es sich also, sich rechtzeitig zu informieren.

Vaterschaftsanerkennung und Sorgerechtserklärung

Bei unverheirateten Paaren gibt es noch zusätzlich die Themen der Vaterschaftsanerkennung und des Sorgerechts zu klären. Hier muss der Vater bei Jugendamt oder Standesamt eine Vaterschaftsanerkennung abgeben, um in die Geburtsurkunde eingetragen zu werden und somit rechtlich als Vater zu gelten. Außerdem muss beim Wunsch nach gemeinsamen Sorgerecht, eine gemeinsame Sorgerechtserklärung beim Jugendamt oder einem Notar abgegeben werden. Denn sind die Eltern nicht miteinander verheiratet, so erhält automatisch nur die Mutter das Sorgerecht. Bei verheirateten Paaren sind die beiden Schritte nicht notwendig.

Elterngeldantrag vorbereiten

Der Elterngeldantrag ist ziemlich lang und umständlich, daher empfehle ich allen werdenden Eltern, diesen bereits vor der Geburt vorzubereiten. So kann man ihn nach der Geburt mit den dann erst verfügbaren Unterlagen (z.B. Geburtsurkunde) direkt abschicken. Der Elterngeldantrag kann online gestellt und für 6 Monate gespeichert werden.

Wichtige Anträge nach der Geburt

Auch nach der Geburt stehen noch einige Aufgaben und Anträge an. Hierzu zählen:

Anmeldung beim Standesamt

Bereits in den ersten Tagen nach der Geburt muss das Kind beim Standesamt des Geburtsortes angemeldet werden, um die Geburtsurkunde zu erhalten. Das Standesamt erledigt außerdem die Anmeldung beim Einwohnermeldeamt. Ebenfalls automatisch erhält euer Kind bereits seine steuerliche Identifikationsnummer (Steuer-IdNr.).

Oft bieten die Kliniken an, die Anmeldung beim Standesamt zu übernehmen. Hierfür benötigt ihr lediglich die Personalausweise der Eltern und die Heiratsurkunde. Bei nicht verheirateten Paaren werden zusätzlich die Geburtsurkunden der Eltern, die Vaterschaftsanerkennung und die Sorgerechtserklärung benötigt.

Bei uns ging die Ausstellung der Geburtsurkunde super schnell und hat nicht mal eine Woche gedauert.

U-Untersuchungen

Die U-Untersuchungen sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen von Neugeborenen bis zum 6. Lebensjahr (U9). Die erste Untersuchung (U1) findet noch im Kreißsaal direkt nach der Geburt statt, die zweite Untersuchung (U2) ab dem 3. Lebenstag bis 10. Lebenstag meist ebenfalls noch im Krankenhaus. Für die U3 Untersuchung müsst ihr selbst einen Termin mit dem Kinderarzt eurer Wahl ausmachen, diese findet in der 4.-5. Lebenswoche statt.

Ausführliche Informationen zu den U-Untersuchungen bietet das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit: U1 bis U9: Was wird gemacht? | kindergesundheit-info.de

Elterngeld beantragen

Das Elterngeld ist eine Leistung für Mütter und Väter, die sich um ihre Kinder zuhause kümmern und in dieser Zeit weniger oder gar nicht arbeiten. Hier gibt es bestimmte Kriterien, wer wie viel Elterngeld erhält – nutzt hierzu am besten den „offiziellen“ Elterngeldrechner vom Bundesministerium für Familie: Elterngeldrechner mit Planer | Familienportal des Bundes

Innerhalb von drei Monaten nach der Geburt muss das Elterngeld beantragt werden. Dies kann vollständig online beantragt werden: Startseite – ElterngeldDigital. Der Antrag ist recht aufwändig und es werden einige Unterlagen benötigt, daher empfehle ich, alles bereits vor der Geburt vorzubereiten und nach der Geburt abzuschicken.

Aktuell arbeite ich im Hintergrund an einem „HOW TO“ für den Elterngeldantrag. Diesen verlinke ich hier, sobald er verfügbar ist.

Kindergeld beantragen plus ggf. Kinderzuschlag

Innerhalb von 6 Monaten nach der Geburt sollte das Kindergeld bei der Familienkasse beantragt werden. Es beträgt aktuell 255€ pro Monat für jedes Kind. Der Kindergeldantrag kann ganz einfach online gestellt werden.

Tipp: Ein bis zwei Wochen nach der Geburt erhaltet ihr automatisch ein Schreiben der Familienkasse mit einem bereits vorbereiteten Antrag für das Kindergeld (per QR-Code zum Scannen). Diesen finalisiert ihr innerhalb weniger Minuten online und schon seit ihr fertig.

Der Kinderzuschlag der Familienkasse ist für Familien mit niedrigerem Einkommen als zusätzliche Unterstützung zum Kindergeld. Hier könnt ihr prüfen, ob der Kinderzuschlag für euch in Frage kommt: KiZ-Lotse: Anspruch auf Kinderzuschlag online prüfen | Bundesagentur für Arbeit

Familien mit geringem Einkommen können außerdem bei Bedarf Wohngeld beantragen.

Info zur Geburt an Arbeitgeber

Nach der Geburt müsst ihr natürlich eurem Arbeitgeber Bescheid geben, dass euer Kind geboren ist. Hierfür schickt ihr ihm einfach eine Kopie der Geburtsurkunde. Mit dem finalen Geburtsdatum ergeben sich dann auch die finalen Daten für Mutterschutz und Elternzeit und euer Arbeitgeber kann euch alle nötigen Bescheinigungen ausstellen, zum Beispiel für den Elterngeldantrag.

Familienversicherung beantragen

Auch eure Krankenkasse müsst ihr per Kopie der Geburtsurkunde über die Geburt eures Kindes informieren, sodass euer Kind in die Krankenversicherung aufgenommen werden kann. Meist wird hier eine kostenlose Familienversicherung angeboten. Anschließend erhaltet ihr eine Versichertenkarte für euer Kind, welche ihr zu allen Arztterminen mitnehmen müsst.

Kinderarzt suchen

Es ist wichtig, sich direkt nach der Geburt um einen Kinderarzt zu kümmern. Ruft am besten direkt nach der Ankunft zuhause beim Kinderarzt an und macht einen Termin für die U3-Untersuchung aus – diese sollte in der 5. oder 6. Lebenswoche stattfinden.

Kita- bzw. Krippenanmeldung

Auch die Anmeldung für einen Kita- bzw. Krippenplatz sollte recht zeitnah nach der Geburt erfolgen. Da es leider überall einen Mangel an Plätzen gibt, stehen eure Chancen, einen Platz im Kindergarten eurer Wahl zu erhalten umso besser, umso früher ihr euer Kind anmeldet. Wir haben uns das Anmeldeformular bereits vor der Geburt besorgt und eine Woche nach der Geburt abgegeben – sicher ist sicher.

Uff, das war ganz schön viel – oder?

Hoffentlich kann dir dieser Beitrag helfen, den Überblick im Antrags-Dschungel der deutschen Bürokratie nicht zu verlieren. Wenn du Fragen hast, hinterlasse gerne einen Kommentar oder schreibe mir über Instagram: @howtomom.de.


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